Comments on: Sexismus gegen Tierausbeutung?! http://viruletta.blogsport.de/2012/02/28/sexismus-gegen-tierausbeutung/ Sun, 24 Oct 2021 23:54:41 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 by: viruletta http://viruletta.blogsport.de/2012/02/28/sexismus-gegen-tierausbeutung/#comment-6 Tue, 27 Mar 2012 07:21:23 +0000 http://viruletta.blogsport.de/2012/02/28/sexismus-gegen-tierausbeutung/#comment-6 Hallo Kopfkompass, gerne will ich dir erklären, warum die "Holocaust auf deinem Teller"-Kampagne für mich auch trotz deiner Ausführungen weiterhin ein absolutes No-Go darstellt. Mir geht es in diesem Fall nämlich gar nicht in erster Linie um die wie auch immer geartete Wertigkeit von Leben, sondern um die Verharmlosung von den Ursachen, die zum größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte geführt haben. Hinter dem Holocaust stand eine Ideologie, die jüdische Menschen auf den Status von "lebensunwerten Leben" herabgesetzt hat, der Hintergrund der Massentierhaltung hingegen ist ein kapitalistisches System, in dem nichtmenschliche Tiere als Ressource wahrgenommen werden, über die beliebig verfügt werden kann. Tiere werden nicht ermordet, weil Menschen ein Interesse daran haben sie zu foltern, zu töten und ihre Gattung zu vernichten - ganz im Gegenteil. Da werden regelmäßig Karten mit Schweinen drauf als Glücksbringer*in verschenkt und parallel werden Fleischwurstbrötchen verzehrt - das menschliche Verhältnis gegenüber nichtmenschlichen Tieren ist zutiefst paradox. Das Verhalten gegenüber jüdischen Personen im Nationalsozialismus hingegen war sehr eindeutig und zwar von Hass, Entwertung und Vernichtungsfantasien geprägt. Und was die möglichen positiven Auswirkungen dieser Kampagne angeht (also Menschen, die dadurch erstmalig über Vegetarismus/ Veganismus nachgedacht haben); die hast du doch bei den anderen Kampagnen auch. Der Punkt ist ja eben, dass der Zweck <i>nicht</i> die Mittel heiligt! Selbst wenn das oben zitierte Video Menschen vom Veganismus überzeugen konnte ist es deshalb noch lange nicht legitim, da sind wir uns doch einig, oder? Und genau dasselbe gilt für die "Holocaust auf deinem Teller"-Kampagne. (Mal ganz davon abgesehen, dass ich es besonders in Deutschland für sehr fatal halten, den Holocaust auf eine solche Art und Weise zu relativieren - Deutschland ist seit Jahren darum bemüht, sich das geschichtliche Gewissen reinzuwaschen und Kampagnen wie diese spielen diesen Bemühungen prima in die Hände...) Hallo Kopfkompass, gerne will ich dir erklären, warum die „Holocaust auf deinem Teller“-Kampagne für mich auch trotz deiner Ausführungen weiterhin ein absolutes No-Go darstellt.

Mir geht es in diesem Fall nämlich gar nicht in erster Linie um die wie auch immer geartete Wertigkeit von Leben, sondern um die Verharmlosung von den Ursachen, die zum größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte geführt haben. Hinter dem Holocaust stand eine Ideologie, die jüdische Menschen auf den Status von „lebensunwerten Leben“ herabgesetzt hat, der Hintergrund der Massentierhaltung hingegen ist ein kapitalistisches System, in dem nichtmenschliche Tiere als Ressource wahrgenommen werden, über die beliebig verfügt werden kann. Tiere werden nicht ermordet, weil Menschen ein Interesse daran haben sie zu foltern, zu töten und ihre Gattung zu vernichten – ganz im Gegenteil. Da werden regelmäßig Karten mit Schweinen drauf als Glücksbringer*in verschenkt und parallel werden Fleischwurstbrötchen verzehrt – das menschliche Verhältnis gegenüber nichtmenschlichen Tieren ist zutiefst paradox. Das Verhalten gegenüber jüdischen Personen im Nationalsozialismus hingegen war sehr eindeutig und zwar von Hass, Entwertung und Vernichtungsfantasien geprägt.

Und was die möglichen positiven Auswirkungen dieser Kampagne angeht (also Menschen, die dadurch erstmalig über Vegetarismus/ Veganismus nachgedacht haben); die hast du doch bei den anderen Kampagnen auch. Der Punkt ist ja eben, dass der Zweck nicht die Mittel heiligt! Selbst wenn das oben zitierte Video Menschen vom Veganismus überzeugen konnte ist es deshalb noch lange nicht legitim, da sind wir uns doch einig, oder? Und genau dasselbe gilt für die „Holocaust auf deinem Teller“-Kampagne.

(Mal ganz davon abgesehen, dass ich es besonders in Deutschland für sehr fatal halten, den Holocaust auf eine solche Art und Weise zu relativieren – Deutschland ist seit Jahren darum bemüht, sich das geschichtliche Gewissen reinzuwaschen und Kampagnen wie diese spielen diesen Bemühungen prima in die Hände…)

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by: Kopfkompass http://viruletta.blogsport.de/2012/02/28/sexismus-gegen-tierausbeutung/#comment-2 Sat, 03 Mar 2012 19:19:53 +0000 http://viruletta.blogsport.de/2012/02/28/sexismus-gegen-tierausbeutung/#comment-2 Hallo Viruletta, hier schreibt Kopfkompass, die Person, die die PeTA-Stellungnahme in seinem Blog veröffentlicht hat. Ich möchte gern auf deine Frage reagieren, wie ich einerseits PeTAs Sexismus kritisieren kann, andererseits aber die „Der Holocaust auf deinem Teller“-Kampagne offenbar okay finde. Ich möchte das gern erklären. Als ich die E-Mails an PeTA geschrieben habe, war mir noch nicht klar, dass ich sie später veröffentlichen würde. Deswegen war ich nicht so gründlich, wie ich es in meinem Blog normalerweise zu sein versuche. Es schien mir aber wenig redlich, die Mails nachträglich zu frisieren oder zu kürzen, daher stehen die Zeilen nun so da, wie ich sie in meiner Rage schrieb. Wir brauchen überhaupt nicht zu darüber zu diskutieren, dass die von heute aus als „Holocaust“ bezeichneten unvorstellbaren, unmenschlichen Grausamkeiten unerträglich verharmlost werden, sobald man mit sie mit irgendetwas zu vergleichen, zu erklären oder gar zu rechtfertigen versucht. Wie 2009 ja auch das Bundesverfassungsgericht entschieden hat, war es absolut inakzeptabel von PeTA, Fotos von gefolterten, ermordeten Häftlingen aus Konzentrationslagern Bildern aus Massenställen und Schlachthöfen gegenüberzustellen. Ich fand die Entscheidung richtig, weil eine Instrumentalisierung des Holocausts für mich wie gesagt immer auch eine Verharmlosung ist. Wahr ist aber auch, dass es ein Motiv eben dieser Kampagne war, das mein Leben nachhaltig verändert hat. Das Bild zeigte einen leeren Teller und unbenutztes Besteck auf einem Tisch. Darunter stand: „Auf deinem Teller ist jeden Tag Holocaust.“ Zuerst war ich maßlos schockiert und wütend über diesen Slogan. Als ich ihn aber (gerade deshalb) nicht mehr aus meinem Kopf bekam, habe ich intensiv darüber nachgedacht und mit Freunden darüber gesprochen. Mich führte dieser – deshalb nicht weniger empörende Slogan – zu den Kernfragen der Tierrechtsbewegung, mit der ich mich bis dato nicht auseinandergesetzt hatte. Dürfen wir Tiere so behandeln, wie wir sie behandeln? Und wäre es okay, selbst so behandelt zu werden, wenn es eine Spezies auf diesem Planeten gäbe, der wir schmecken würden, und die das Zeug dazu hätte, uns zu unterjochen? Von hier aus weitergedacht landet man schließlich bei: Ist ein Menschenleben per se wertvoller als das Leben eines Tieres? Manch hartgesottener Tierrechtler traut sich zu, diese Frage zu beantworten. Ich tue es nicht. Auch nicht mit ja. Ich finde es eine gute Frage. Sie zweifelt an der Naturgegebenheit der Überlegenheit, die der Mensch gegenüber allen anderen Spezies empfindet und ausübt. Sie erhebt sich über den Speziesismus als Ganzes. So bin ich dankbar, die Gedanken gedacht zu haben, die die Kampagne letzten Endes in mir ausgelöst hat. Und genau diese Gedanken waren ihr Ziel. Das macht sie kein bisschen weniger problematisch, aber ein kleines bisschen nachvollziehbarer für mich. Hallo Viruletta, hier schreibt Kopfkompass, die Person, die die PeTA-Stellungnahme in seinem Blog veröffentlicht hat. Ich möchte gern auf deine Frage reagieren, wie ich einerseits PeTAs Sexismus kritisieren kann, andererseits aber die „Der Holocaust auf deinem Teller“-Kampagne offenbar okay finde.
Ich möchte das gern erklären. Als ich die E-Mails an PeTA geschrieben habe, war mir noch nicht klar, dass ich sie später veröffentlichen würde. Deswegen war ich nicht so gründlich, wie ich es in meinem Blog normalerweise zu sein versuche. Es schien mir aber wenig redlich, die Mails nachträglich zu frisieren oder zu kürzen, daher stehen die Zeilen nun so da, wie ich sie in meiner Rage schrieb.
Wir brauchen überhaupt nicht zu darüber zu diskutieren, dass die von heute aus als „Holocaust“ bezeichneten unvorstellbaren, unmenschlichen Grausamkeiten unerträglich verharmlost werden, sobald man mit sie mit irgendetwas zu vergleichen, zu erklären oder gar zu rechtfertigen versucht. Wie 2009 ja auch das Bundesverfassungsgericht entschieden hat, war es absolut inakzeptabel von PeTA, Fotos von gefolterten, ermordeten Häftlingen aus Konzentrationslagern Bildern aus Massenställen und Schlachthöfen gegenüberzustellen. Ich fand die Entscheidung richtig, weil eine Instrumentalisierung des Holocausts für mich wie gesagt immer auch eine Verharmlosung ist.
Wahr ist aber auch, dass es ein Motiv eben dieser Kampagne war, das mein Leben nachhaltig verändert hat. Das Bild zeigte einen leeren Teller und unbenutztes Besteck auf einem Tisch. Darunter stand: „Auf deinem Teller ist jeden Tag Holocaust.“ Zuerst war ich maßlos schockiert und wütend über diesen Slogan. Als ich ihn aber (gerade deshalb) nicht mehr aus meinem Kopf bekam, habe ich intensiv darüber nachgedacht und mit Freunden darüber gesprochen. Mich führte dieser – deshalb nicht weniger empörende Slogan – zu den Kernfragen der Tierrechtsbewegung, mit der ich mich bis dato nicht auseinandergesetzt hatte. Dürfen wir Tiere so behandeln, wie wir sie behandeln? Und wäre es okay, selbst so behandelt zu werden, wenn es eine Spezies auf diesem Planeten gäbe, der wir schmecken würden, und die das Zeug dazu hätte, uns zu unterjochen? Von hier aus weitergedacht landet man schließlich bei: Ist ein Menschenleben per se wertvoller als das Leben eines Tieres? Manch hartgesottener Tierrechtler traut sich zu, diese Frage zu beantworten. Ich tue es nicht. Auch nicht mit ja. Ich finde es eine gute Frage. Sie zweifelt an der Naturgegebenheit der Überlegenheit, die der Mensch gegenüber allen anderen Spezies empfindet und ausübt. Sie erhebt sich über den Speziesismus als Ganzes.
So bin ich dankbar, die Gedanken gedacht zu haben, die die Kampagne letzten Endes in mir ausgelöst hat. Und genau diese Gedanken waren ihr Ziel. Das macht sie kein bisschen weniger problematisch, aber ein kleines bisschen nachvollziehbarer für mich.

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