Archiv für Juli 2012

Kann ich aufhören zu sein, was Andere in mir sehen?

Ich befasse mich jetzt schon etwas länger mit Selbstpositionierungen, Privilegien und allem was dazu gehört. Natürlich habe ich mir in diesem Zusammenhang oft die Frage gestellt, wo ich mich selbst verorte bzw. wie ich von Anderen gelesen werde. Ich bin mir bewusst, dass mir vielfach Privilegien zuteil werden, von denen ich in den meisten Fällen behaupte, ich würde sie gar nicht haben wollen, obwohl mein Alltag dadurch wesentlich einfacher ist. Oftmals nehme ich sie noch nicht mal als Privilegien wahr, weil sie für mich Normalität sind, meine ganz persönliche gesellschaftliche Realität darstellen. Wenn mir dann Personen, denen diese Privilegien nicht zuteil werden, aus ihrem Leben, von ihrem Blickwinkel aus, erzählen, bin ich schockiert. Ich fühle mich dann oft schuldig und würde am liebsten „die Seiten wechseln“, weil das einfacher erscheint, als mich immer wieder selbst zu hinterfragen, und auf jeden Fall weniger schmerzhaft, weil ich mich doch so gerne zu „den Guten“ zählen würde. Auch hier. Und ich weiß, dass ich nicht die einzige bin, der es so geht. (mehr…)

Bitte einmal Critical Whiteness-Workshops für alle!

Wenn es um Mario Balotelli geht, dann will dieser Tage niemensch rassistisch sein, aber viele sind es trotzdem. Hierbei spielt es keine Rolle, ob es sich um sogenannte Party-Nationalisten, einfache Fußballfans oder die vermeintlich seriöse Presse handelt – sie alle bedienen sich altbekannter Klischees bei Vergleichen, die von Mal zu Mal flacher und dümmer werden, oder werden nicht müde, das x-te mal zu betonen, das Balotelli „ja nunmal wirklich schwer umgänglich ist“.

Balotelli hat es nicht nur gewagt, die deutsche Nationalmannschaft aus der EM zu kicken und somit das (natürlich harmlose!) deutsche Ehrgefühl zu verletzen, nein, er wagt es sich außerdem, als Schwarzer außergewöhnlich guten Fußball zu spielen und darauf auch noch stolz zu sein. Er wagt es, sich offen gegen Rassismen zu wehren indem er diese zunächst einmal als solche entlarvt und er wagt es, sich nicht unterkriegen zu lassen, sich nicht anzubiedern und für Selbstverständlichkeiten eben nicht dankbar zu sein. Und das alles, obwohl er Schwarz ist. (mehr…)