Archiv für August 2012

Die Brille.

Irgendwann hat in meinem Leben ein Prozess begonnen, der gemeinhin als Politisierung bezeichnet wird. Ich finde inzwischen das Wort Sensibilisierung passender. Im Laufe dieses Prozesses hat sich meine Sicht auf die Welt verändert, ich habe in gewisser Weise die Brillengläser gewechselt. Oder gereinigt. Mein Blick ist klarer, die rosarote Farbe abgeblättert. Ich laufe nicht mehr mit Scheuklappen durch die Welt (oder zumindest nicht mehr mit so großen), ich sehe jetzt auch die Dinge und die Menschen am Rand. Was bleibt ist ein unverstellter Blick auf eine gesellschaftliche Realität, angesichts derer ich mir am liebsten gleich komplett die Augen zuhalten würde. Das Schlimme ist, dass ich in der Regel von Menschen umgeben bin, die all das nicht wahrnehmen und mich für verrückt erklären. Die mir weismachen wollen, ich würde Dinge sehen, ja sehen wollen, die gar nicht da sind. Die aufhören, mich ernst zu nehmen und sich angegriffen fühlen, wenn ich meinerseits versuche, ihr Weltbild in ein anderes Licht zu rücken. Die sich eigentlich ganz wohl fühlen in einem System, dass es ihnen ermöglicht all das nicht erkennen zu müssen und trotzdem nicht zu stolpern. Als ob es ihnen egal wäre, worüber sie steigen, so lange sie nicht fallen. (mehr…)