Archiv für September 2012

Von Aneignungen und (Re-)Traumatisierungen

Meinen letzten Sommer (den im Jahre 2011) habe ich damit verbracht, den Sl*twalk im Ruhrgebiet mitzuorganisieren, einiges über die Bewegung und das dazugehörige, noch sehr unausgereifte, Konzept zu bloggen und noch viel mehr darüber zu lesen. Ein zentraler Punkt in all diesen Texten, Diskussionen und Blogbeiträgen war hier immer auch der Umgang mit den Begrifflichkeiten, insbesondere dem Wort Sl*t/ Schl*mp*. Ich habe damals im maedchenblog einen ziemlich langen Eintrag dazu verfasst, inwiefern der Begriff in sein Gegenteil verkehrt und zur Selbstermächtigung beitragen könnte, wenn doch nur die richtigen Personen damit anfangen würden, ihn zu gebrauchen und sich selbst damit zu bezeichnen. Heute halte ich diesen Versuch gelinde gesagt für naiv, und damit meine eigentlich unreflektiert. Klar war ich irgendwo von dem Wort betroffen, aber wenn dann traf es mich immer nur im Kollektiv (dem, der Frauen*), nie als Individuum. Der einzige Grund, die einzige Motivation, mich mit diesem Wort zu verletzen, zielte auf mein (zugeschriebenes) Geschlecht (weiblich) ab – da war nichts intersektionelles, nichts herausstechendes, was dazu führte, dass ausgerechnet ich aus diesem Kollektiv herausgegriffen und mit dem Wort, der Beleidigung, bedacht, ja beworfen wurde. Folglich fiel es mir leicht, andere dazu aufzurufen, sich selbst zu befreien, in dem sie sich ein Wort aneignen sollten, was für viele Personen mit sehr viel mehr Schmerz und Wut und Erfahrungen behaftet war und ist, als es bei mir der Fall gewesen ist. (mehr…)