Archiv für Februar 2013

Solidarität und Unterstützung – auch für “unperfekte Opfer”.

Triggerwarnung: Victim Blaiming (Schuldumkehrung), Gewalt gegen Frauen*, Gewalt innerhalb von (heterosexuellen) Paarbeziehungen.

Vorweg: Dieser Beitrag basiert auf eigenen Erfahrungen und Wissensstände. Ich will mir keinesfalls anmaßen, für alle zu sprechen – nur die Betroffenen selbst können entscheiden, was für sie in der jeweiligen Situation das Beste ist.

Vor einer halben Ewigkeit habe ich einen sehr wichtigen Blogbeitrag gelesen, der einiges in mir angestoßen hat. In dem konkreten Beitrag ging es um das Beispiel der Prostitution. Darum, dass Gewalt gegen Personen, die in diesem Bereich tätig sind, oftmals sehr unterschiedlich bewertet wird. Je nachdem, wie „selbstverschuldet“ sie sich in diese Lage gebracht zu haben scheinen. Sind sie Opfer von Menschenhandel geworden, gelten sie als „unschuldig“ und Hilfe ihnen gegenüber als moralische Pflicht. Haben sie sich jedoch scheinbar „freiwillig“ für die Sexarbeit entschieden (so freiwillig, wie Lohnarbeit eben sein kann), gilt ihr Lage als „selbst-“ oder zumindest „mitverschuldet“. Die Allgemeinheit fühlt sich in diesem Fall weniger dazu verpflichtet, den Schutz der Menschenrechte dieser Betroffenen durchzusetzen. Dies ist jedoch keineswegs der einzige Fall, in dem das künstlich erschaffene Bild des „perfekten/ verdienenden“ Opfers all jenen schadet, die ihm nicht entsprechen.

Ähnliches gilt auch für Personen, die sich entscheiden (vorerst) in Gewaltbeziehungen zu bleiben. Zu dem Zeitpunkt, an dem die Gewalt öffentlich gemacht wird, schlagen sich viele auf die Seite der Betroffenen. Sie versuchen, ihnen zu helfen. Vielleicht sogar sie zu „retten“. Nehmen die Betroffenen die Hilfe jedoch nicht (dauerhaft) an, macht sich bei den Helfenden zumeist Verständnislosigkeit, oft sogar Wut breit. Diese gilt ab einem gewissen Zeitpunkt häufig nicht mehr (nur) dem*der Täter*in, sondern immer stärker auch den Betroffenen. „Langsam kann ich ihr auch nicht mehr helfen“, oder: „Irgendwann ist sie auch selber Schuld“ sind Sätze, die in diesem Zusammenhang viel zu oft fallen. (mehr…)

Über Geld reden.

Über Geld redet mensch nicht – das ist eine Aussage, die eine*r sich erstmal leisten können muss. Über Geld nicht reden zu müssen, bedeutet genug zu haben, um deinen Freund*innen nicht erklären zu müssen, dass du wieder nicht mit auf die Party/ in den Urlaub/ zum dem Theaterstück gehen kannst, weil du eben kein Geld hast. Es bedeutet, andere nicht danach fragen bzw. darum bitten zu müssen, dir welches zu leihen, weil du sonst nicht weißt, wie du die Tierarztbehandlung für deinen Hund oder die nächste Stromrechnung bezahlen sollst. Es bedeutet, dass du dich nicht mit anderen (Wahl)Familienmitglieder absprechen musst, bevor du dir den Luxus von Kosmetikprodukten „gönnst“, weil erst mal feststehen muss, dass auch danach noch genug Geld für Grundnahrungsmittel übrig ist. Es bedeutet, den Leuten aus der Universitätsverwaltung nicht erklären zu müssen, dass du den Semesterbeitrag wieder nicht rechtzeitig überweisen konntest, weil du verdammt nochmal nicht wusstest, wo du das Geld hernehmen solltest. Es bedeutet noch viel, viel mehr. Aber das hier sind meine Erfahrungen. Ihr könnt in den Kommentaren gerne ergänzen. (mehr…)