Kann ich aufhören zu sein, was Andere in mir sehen?

Ich befasse mich jetzt schon etwas länger mit Selbstpositionierungen, Privilegien und allem was dazu gehört. Natürlich habe ich mir in diesem Zusammenhang oft die Frage gestellt, wo ich mich selbst verorte bzw. wie ich von Anderen gelesen werde. Ich bin mir bewusst, dass mir vielfach Privilegien zuteil werden, von denen ich in den meisten Fällen behaupte, ich würde sie gar nicht haben wollen, obwohl mein Alltag dadurch wesentlich einfacher ist. Oftmals nehme ich sie noch nicht mal als Privilegien wahr, weil sie für mich Normalität sind, meine ganz persönliche gesellschaftliche Realität darstellen. Wenn mir dann Personen, denen diese Privilegien nicht zuteil werden, aus ihrem Leben, von ihrem Blickwinkel aus, erzählen, bin ich schockiert. Ich fühle mich dann oft schuldig und würde am liebsten „die Seiten wechseln“, weil das einfacher erscheint, als mich immer wieder selbst zu hinterfragen, und auf jeden Fall weniger schmerzhaft, weil ich mich doch so gerne zu „den Guten“ zählen würde. Auch hier. Und ich weiß, dass ich nicht die einzige bin, der es so geht. (mehr…)

Bitte einmal Critical Whiteness-Workshops für alle!

Wenn es um Mario Balotelli geht, dann will dieser Tage niemensch rassistisch sein, aber viele sind es trotzdem. Hierbei spielt es keine Rolle, ob es sich um sogenannte Party-Nationalisten, einfache Fußballfans oder die vermeintlich seriöse Presse handelt – sie alle bedienen sich altbekannter Klischees bei Vergleichen, die von Mal zu Mal flacher und dümmer werden, oder werden nicht müde, das x-te mal zu betonen, das Balotelli „ja nunmal wirklich schwer umgänglich ist“.

Balotelli hat es nicht nur gewagt, die deutsche Nationalmannschaft aus der EM zu kicken und somit das (natürlich harmlose!) deutsche Ehrgefühl zu verletzen, nein, er wagt es sich außerdem, als Schwarzer außergewöhnlich guten Fußball zu spielen und darauf auch noch stolz zu sein. Er wagt es, sich offen gegen Rassismen zu wehren indem er diese zunächst einmal als solche entlarvt und er wagt es, sich nicht unterkriegen zu lassen, sich nicht anzubiedern und für Selbstverständlichkeiten eben nicht dankbar zu sein. Und das alles, obwohl er Schwarz ist. (mehr…)

Deine Privilegien, deine Verantwortung.

In der letzten Zeit habe ich eine Menge toller Blogbeiträge gelesen, die mir gerade allesamt aus der Seele sprechen und die Gründe für meine aktuelle Politikverdrossenheit wunderbar in Worte fassen. Da wäre zum Beispiel Helga von der Mädchenmannschaft, die davon schreibt, dass sie keine Lust mehr hat, für Selbstverständlichkeiten zu applaudieren; oder Steve, der in einem Gastbeitrag für das goodmenproject erklärt, warum er aus der Position eines Schwarzen nicht mehr über race sprechen wird; außerdem anarchie & lihbe, die keine Lust auf Whiteboys hat, die bei Frauen*/ Feministinnen Zuflucht vor dem bösen Patriarchat suchen; weiter eine Gruppe von People of Color, die via der braune Mob e.V. einen offenen Brief an das Dresden Nazifrei-Bündnis veröffentlicht hat; Nadine von der Mädchenmannschaft, die erklärt, warum nur bestimmte Menschen über sexistische Witze lachen können; und nicht zuletzt Sookee, die in dem tollen Lied „Einige meiner besten Freunde sind Männer“ das Ausleben von männlichen Privilegien innerhalb der sogenannten linken Szene thematisiert. Danke, danke, danke. Ohne Beiträge wie die euren wären viele Tage noch um einiges grauer.

Alle diese Beiträge haben etwas gemeinsam: sie sind aus der Position von gesellschaftlichen Minderheiten geschrieben. Von Personen, die es satt haben, in einer oder sogar mehreren Bewegungen aktiv zu sein, die sich selbst als emanzipatorisch begreifen, aber die eigenen Privilegien und die eigene Sprecher*innenposition viel zu oft nicht mal ansatzweise reflektieren. Ich teile diese Position und auch diese Erfahrungen. (mehr…)

Sexismus gegen Tierausbeutung?!

Wie ich als Veganerin zu der selbsternannten Tierrechtsorganisation PETA stehe, habe ich vor ein paar Monaten bereits hier im Mädchenblog geschrieben. Seitdem ich die Organisation verfolge (und das tue ich leider notgedrungen, weil von mir als Veganerin bizarrer Weise immer mal wieder erwartet wird, dass ich mich für Kampagnen oder Aktionen von PETA rechtfertige), erscheint mir Sexismus (neben Heteronormativität, Lookismus, Holocaust-Relativierungen und Rassismus) als der roteste Farben, der sich durch die PETA-eigene Öffentlichkeitsarbeit zieht.

Als ich vor ein paar Wochen via consume. be silent. die. auf (ACHTUNG, TRIGGER! Zurschaustellung und Verharmlosung von sexualisierter Gewalt!) diesen Clip gestoßen bin, war ich noch überzeugt davon, dass PETA diesmal nun aber wirklich am absoluten Tiefpunkt angekommen sein muss, was Niveau und Menschlichkeit angeht. Doch gerade eben bin ich über die Stellungnahme zu diesem Video gestolpert und war so entsetzt, dass ich trotz akutem Zeitmangel ein paar Sätze dazu loswerden muss. (mehr…)

Warum Viruletta, warum noch ein Blog?

An dieser Stelle wird im Regelfall erwartet, dass ich mich vorstelle; erläutere wer ich bin, wie ich bin, warum und worüber ich hier in Zukunft schreiben werde. Vieles in mir hat sich von Anfang an dagegen gesträubt, einen klassischen „Viruletta geht online“-Post zu verfassen – in erster Linie, weil ich mich ungern label(en) (lasse). In zweiter Linie, weil ich mich noch nicht entschieden habe, wie weit ich mich mit diesem Blogprojekt aus der Anonymität herauswagen will.

Es wäre aber illusorisch anzunehmen, dass meine Identität keinen Einfluss darauf hätte, was, wie und worüber ich hier schreiben werde. Die Perspektive, aus der dieser Blog geschrieben wird, ist weiß, weiblich, temporär ohne Behinderungen und ohne Migrationshintergrund. All dies strukturiert meine gesellschaftliche Realität, beeinflusst die Art und Weise, wie mir Menschen begegnen, wie ich Situationen wahrnehme, welche Möglichkeiten mir offen stehen und welche Wege mir verwehrt bleiben. Meine Perspektive besitzt keine Allgemeingültigkeit, mein Blickwinkel ist begrenzt, meine Position eher privilegiert. Ich werde mich deshalb jederzeit über Kommentare freuen, die diese Perspektive erweitern und zwar von Menschen, die es besser wissen als ich, weil sie von einer Diskriminierungsformen betroffen sind, die sich mir nur in der Theorie, nie aber im direkten Erleben erschließen wird. Euch obliegt die Deutungshoheit. Immer und ausnahmslos. (mehr…)