Warum Viruletta, warum noch ein Blog?

An dieser Stelle wird im Regelfall erwartet, dass ich mich vorstelle; erläutere wer ich bin, wie ich bin, warum und worüber ich hier in Zukunft schreiben werde. Vieles in mir hat sich von Anfang an dagegen gesträubt, einen klassischen „Viruletta geht online“-Post zu verfassen – in erster Linie, weil ich mich ungern label(en) (lasse). In zweiter Linie, weil ich mich noch nicht entschieden habe, wie weit ich mich mit diesem Blogprojekt aus der Anonymität herauswagen will.

Es wäre aber illusorisch anzunehmen, dass meine Identität keinen Einfluss darauf hätte, was, wie und worüber ich hier schreiben werde. Die Perspektive, aus der dieser Blog geschrieben wird, ist weiß, weiblich, temporär ohne Behinderungen und ohne Migrationshintergrund. All dies strukturiert meine gesellschaftliche Realität, beeinflusst die Art und Weise, wie mir Menschen begegnen, wie ich Situationen wahrnehme, welche Möglichkeiten mir offen stehen und welche Wege mir verwehrt bleiben. Meine Perspektive besitzt keine Allgemeingültigkeit, mein Blickwinkel ist begrenzt, meine Position eher privilegiert. Ich werde mich deshalb jederzeit über Kommentare freuen, die diese Perspektive erweitern und zwar von Menschen, die es besser wissen als ich, weil sie von einer Diskriminierungsformen betroffen sind, die sich mir nur in der Theorie, nie aber im direkten Erleben erschließen wird. Euch obliegt die Deutungshoheit. Immer und ausnahmslos.

Warum also Viruletta?

„Girl Germs“ (übersetzt so etwas wie „weibliches Bakterium“) lautete Anfang der 1990er Jahre der Titel eines der ersten Zines der Riot Grrrl-Bewegung. Ihre Herausgeberinnen (Allison Wolfe und Molly Neuman) waren gleichzeitig Mitglieder der Band „Bratmobile“ und veröffentlichten in diesem Kontext ein Lied mit demselben Titel, in dem es unter anderem heißt: »Girl germs, no returns – Can‘t hide out they‘re everywhere! Girl germs, no returns – Have to come out and play the game!«. Dasselbe Konzept wurde auch später immer wieder aufgegriffen, zum Beispiel unter dem Namen „grrrlVIRUS“(»GRRRLVIRUS. GET IT, SPREAD IT!«). Der Gedanke, dass Emanzipation – nicht nur in feministischen Hinsicht – etwas ist, dem sich auf Dauer gesehen keine*r entziehen kann, gefällt mir und deswegen habe ich daran angelehnt den Namen „Viruletta“ (abgeleitet von „Virus“/ „Virulenz“) für dieses Blogprojekt gewählt. Außerdem halte ich die politische Blogosphäre für soetwas wie eine moderne Version der Zine-Kultur – und viruletta.blogsport.de somit in gewisser Hinsicht auch für eine Nachfolgerin des damaligen „Girl Germs“-Zine.

Und warum noch ein Blog?

Ich lese sehr gerne und auch ziemlich viel – egal ob Nachrichten, Blogs, Fachbücher oder Prosa. Immer wieder stolpere ich hierbei über Artikel oder Meinungen, die mir sauer aufstoßen, und ärgere mich dann darüber, dass die Berichterstattung so einseitig und augenscheinlich eingefärbt ist, gleichzeitig aber oftmals einen Anspruch auf Allgemeingültig und Objektivität erhebt. Mir fehlen dann Gegenpositionen oder einfach nur Sichtweisen, die das Ganze aus einem anderen Blickwinkel beleuchten, und viel zu oft habe ich mich schon gefragt, wieso denn noch keine*r etwas entsprechendes dazu gebloggt hat. Und weil mir das „Do-it-yourself“-Konzept schon immer sehr gefallen hat, habe ich beschlossen, das in Zukunft einfach selber zu tun.

(Seit dem Sommer 2011 habe ich das übrigens schon im mädchenblog in die Tat umgesetzt: Klick.)

Update: Ruhig geworden?

Seit Ende Juli 2012 blogge ich nun auch für die Mädchenmannschaft und vernachlässige dieses Blog daher leider vorübergehend ein wenig. Aber keine Sorge, ich hege den festen Vorsatz, dies keinen Dauerzustand werden zu lassen.